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Berlin Alexanderplatz - Ein Mythos nimmt Gestalt an
Das Land Berlin beteiligt sich finanziell am der Umgestaltung des Berliner Alexanderplatzes. Die Investoren könnten
bald loslegen, bei der Gestaltung scheint aber der Kolhoffsche Hochhausentwurf keine Rolle mehr zu spielen.
Von Karin Krentz, Freie Wirtschaftsjournalistin, Berlin
Nun ist es endlich so weit. Lange, fast schon zulange hat zumindest die östliche Stadthälfte der Millionenstadt Berlin
gewartet, dass "ihr" Zentrum Alexanderplatz wenigstens per Absichtserklärung neue Gestalt annimmt. Zu DDR-Zeiten in
eine Art Marktplatz aus Beton gegossen und in der Gegenwart beinahe verkommen, entspricht der Platz heute als "Ort der
Unwirtlichkeit" schon lange nicht mehr modernen städtebaulichen Gesichtspunkten. Nun soll er wieder ein Gesicht
erhalten und damit Anziehungspunkt in der City Ost werden.
Investoren unterzeichneten Kaufverträge
Nachdem die städtebaulichen Verträge schon im Jahr 1999 unterschrieben worden waren, konnten auch Ende Mai 2002 die
Kaufverträge endlich durch die Unterschrift der potentiellen Investoren sowie der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
unter Dach und Fach gebracht werden. Nun scheint der Neugestaltung nichts mehr im Wege zu stehen, nachdem der
Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses des Landes Berlin 4,4 Millionen Euro aus Landesmitteln für die neue Gestaltung des
Areals freigab.
In einer öffentlichen Ausschreibung soll darüber entschieden werden. 56 Prozent der Kosten tragen die Investoren, die
anderen 44 Prozent das Land. Das Wettbewerbsverfahren soll noch in diesem Jahr in Angriff genommen werden, so
Stadtentwicklungssenator Peter Strieder.
Sechs Hochhäuser mit einer Höhe von 150 Metern sollen zunächst bis zum Jahr 2013 entstehen. Spätestens bis zum 31. März
2006 wollen die vier Investoren Deutsche Interhotel Holding GmbH & Co. KG, Alexanderplatz 5 GbR, das amerikanische
Immobilienunternehmen Hines und die Asset Immobilienbeteiligungen GmbH (in Nachfolge von Kaufhof/Metro) die Bauarbeiten
begonnen haben.
Hochhaus-Pläne auf der Kippe
Verbindliche Bauleitplanung ist der in einem 1993 ausgelobten städtebaulichen Wettbewerb mit dem ersten Preis prämierte
Entwurf von Hans Kolhoff von zehn Hochhäusern. Kolhoff will eine Anordnung von 35 Meter hohen Blöcken, aus denen die
Hochhaustürme erwachsen sollen. Diese Sockelgeschosse sollen bis zum Jahr 2008 fertig gestellt sein, die Tower bis zum
Jahr 2013. Keiner der Investoren war bei der Unterzeichnung der Kaufverträge am 23. Mai bereit, gesicherte Auskunft über
seine eigene Bauplanung zu geben. Vertragsstrafen bei Nichteinhaltung der Termine sind nicht vorgesehen, so Berlins
Politiker. Da kommt doch leicht die Vermutung auf, dass die Hochhaus-Pläne von beiden Seiten nur halbherzig sind.
Sollten die Tower am Ende doch besser nicht gebaut werden?
Will man städtebauliche Visionen im Sockelgeschossbau enden oder am liebsten erst gar nicht stattfinden lassen? Anlass
für derartige Spekulationen gibt auch so manche Investoren-Äußerung. Möglicherweise, aber eben nur möglicherweise will
Hines als erster sein Projekt auf der Südostecke im Jahr 2003 beginnen. Bedingung: Büromieter müssen erst gefunden
werden. Die Interhotel Holding ist noch weit von dem Gedanken entfernt, ihre goldene Gans Forum-Hotel zu diesem
Zeitpunkt aufzugeben, denn das Hotel (Baujahr 1970, 945 Zimmer) boomt und ist besonders nach den Umbauten 1992 und
1994 Jahr für Jahr gut gebucht. (Anmerkung: Das Spielkasino in der 37. Etage hoch über den Dächern der Stadt gehört
dem Land Berlin). Wenn es doch zu einem Neubau kommen sollte, dann nur dann, wenn das neue und erweiterte Hotel steht
und das alte abgerissen werden kann.
Für die Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) auf der gesamten östlichen Seite des Alexanderplatzes kommt ähnliches
erst gar nicht in Frage. Sie hat sich schließlich vor zwei Jahren die Komplettsanierung ihrer Immobilie - des so
genannten Alfred-Döblin-Hauses - 120 Millionen DM kosten lassen und diese langfristig an Bundesbehörden und
Versicherungen vermieten können, so die TLG.
Kaufhaustempel geplant
Nur die Alexanderplatz 5 GbR scheint mit der HypoVereinsbank aus München handelseinig. Diese will als Mieter in den
Tower einziehen, der an Stelle des alten "Haus des Reisens" an der Ostkante des Platzes entstehen soll. Und auch das
steht noch in den Sternen: Der Alexanderplatz soll mit den neuen Kaufhaustempeln von Metro, Redevco/C&A und dem Berliner
Wohnungsunternehmen Degewo gemeinsam mit ECE der größte Einkaufsladen nicht nur von Berlin werden.
Hier würden nach Realisierung aller Pläne mehr als 350.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche entstehen, eine gigantische
Zahl. Schon heute ist der Kaufhof die umsatzstärkste Metro-Goldgrube in den neuen Bundesländern. Doch nichts ist so gut,
dass es sich nicht verbessern ließe. Das weiß auch Kaufhof-Geschäftsführer Detlef Steffens.
Wer und wann als erster der Investoren den Spaten in die Hand nehmen wird, bleibt also abzuwarten. Doch eines ist
sicher, auch ohne dass sich die Baukräne drehen. Die Verkehrsinfrastruktur auf, unter, über und rund um den Alex ist
mehr als marode. Täglich frequentieren weit mehr als 300.000 Menschen den Platz, machen von U-, S- und Regionalbahnen
sowie Straßenbahnen und Bussen Gebrauch. Allein drei U-Bahn-Linien unterqueren auf unterschiedlichen Ebenen den Alex,
der ebenerdig den übrigen Verkehr und auf dem Stadtbahnviadukt aus dem 19. Jahrhundert den Eisenbahnverkehr ertragen
muss.
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